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Warum denn so verbissen?

Ursachen und ganzheitliche Betrachtungsweise von Zähneknirschen

Das Phänomen des Zähneknirschens hat eine lange Tradition, überliefert ist es bereits seit unserer Urzeit. Damals wurde es jedoch bewusst erzeugt und machte Sinn: es sollte Stärke in bedrohlichen Situationen demonstrieren und das Zähnefletschen diente zudem der Warnung und Abwehr von Feinden.

Heute hingegen ist der Bruxismus (so die lat. Bezeichnung für das Knirschen) leider fast zu einer Art neuer Volkskrankheit geworden. Das druckvolle Mahlen geschieht meist unbewusst nachts im Schlaf und zeugt hauptsächlich vom Spannungs- und Stressabbau des Tages, oder von der Verarbeitung alter, nicht ausgelebter Wutgefühle. Nur in seltenen Fällen ist die Ursache eine schlecht sitzende Zahnkrone oder Prothese.

So mahlt und knirscht über ein Drittel der deutschen Bevölkerung Nacht für Nacht vor sich hin – und kaum einer von ihnen merkt es; abgesehen natürlich von den leidgeplagten Bettgenossen. Frauen sind lt. Statistiken wesentlich stärker von diesem Leiden betroffen, denn sie „fressen“ noch häufiger Stress in sich hinein als Männer, dieser Stress wird fortan im nächtlichen Ruhezustand autonom entladen und führt dann zu anfangs unbemerkten Kieferverspannungen.

Sogar bei erst fünfjährigen Kindern stellen Zahnärzte schon immer häufiger starke Abnutzungen der Milchzähne durch nächtliches Angst- oder Wut-Knirschen fest. Es gibt Thesen, die hierfür besonders den zunehmenden Fernseh- und PC-Konsum bei kleinen Kindern verantwortlich machen. Beim Knirschen bei Kindern ist es jedoch sehr wichtig, zwischen der natürlichen Kau-Feinabstimmung der Zahnreihen bei einem Zahnwechsel (Einschleifen) und dem Stressknirschen, genau zu unterscheiden!

Fatale Folgen für die Gesundheit

Die von der unbewussten Nachtarbeit Betroffenen merken meist lange Zeit gar nichts von ihrem Problem, außer ihr um den Schlaf gebrachter Partner spricht sie darauf an oder der Zahnarzt stellt bei einer Kontrolle zufällig den Zahnabrieb fest. Dann wird er meist eine so genannte Aufbiss-Schiene anfertigen lassen, die dann jede Nacht getragen werden soll. Diese Schiene ist ein Abriebschutz und schont nun zwar das Gebiss (sofern sie besonders druckvolle Zeitgenossen nicht sogar kaputt beißen!), ändert jedoch nichts Wesentliches an dem ursächlichen Problem. Fortan wird also auf die Schiene gebissen und der Kiefer verhärtet sich natürlich genauso – was auf Dauer zu einer schmerzhaft fortschreitenden Kieferfehlstellung führen kann, im Fachjargon auch Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) genannt.

Bei der nächtlichen Mahlarbeit entsteht nämlich ein ungeheurer Druck im Kiefergelenk und der betroffenen Muskulatur, dieser Druck kann bis zu zehnmal stärker als bei natürlichen Kauaktivitäten sein, dies bedeutet eine punktuelle Belastung des Gelenkes von bis zu mehren Hundert Kilogramm(!) Druck. Das hierbei dauerhafte Schäden für Gebiss und Kiefer entstehen können, liegt klar auf der Hand. Meist jedoch bekommen die leidgeplagten Menschen schon wesentlich früher ganz andere gesundheitliche Probleme, die sie zuerst gar nicht mit ihrer anstrengenden nächtlichen Arbeit in Verbindung bringen.

Hier reichen die Symptome von Kopfschmerzen bis hin zur Migräne, dazu Nackenverspannungen und Kieferschmerzen, Depressionen sowie Tinnitus oder stechenden Ohrenschmerzen. Auch häufige Tagesmüdigkeit aufgrund kurzer Tiefschlaf­phasen, diffuse chronische Zahnschmer­zen, Risse im Zahnschmelz und Zahnlockerungen können mit dem Knirschen zusammenhängen. Diverse Wirbelsäulen­probleme teils mit Beckenschiefstellung bis hin zum Libidoverlust (aufgrund von Durchblutungsstörungen) sind als spätere Schäden nicht selten anzutreffen und bei genauer Diagnose den Bruxismusfolgen (durch die entstehende Kieferfehlstellung) zuzuordnen.

Zähne zusammen und durch

Der Volksmund hat für die Hintergründe der Knirschattacken, die sich manchmal auch am Tage durch ein ständiges Zähnepressen oder häufige Mahlbewegungen beobachten lassen, so seine eigenen Begriffe. In diesem Zusammenhang gibt es Synonyme wie „sich durchbeißen müssen“, eine starke „innere Verbissenheit“ oder man hat „eine harte Nuss (im Kopf) zu knacken“, dabei kann Mensch manchmal auch „vor Angst mit den Zähnen klappern“. Hin und wieder hat man auch an Problemen „schwer zu knabbern“, oder kann sich etwas „gerade noch verbeißen“ und bei unangenehmen Dingen heißt es für viele „die Zähne zusammen beißen und durch“. Auch Begriffe wie „jemanden auf den Zahn fühlen“, oder etwas „zähneknirschend“ akzeptieren, wobei natürlich noch „viel Wut im Bauch“ ist, deuten bereits auf Hintergründe dieser Körperreaktionen hin!

Auf der Suche nach den tieferen Gründen des belastenden Knirschverhaltens kommen wir nochmals auf das Eingangs bereits erwähnte „Urzeitverhalten“ zurück. Damals diente das Zähnfletschen als Warnung und Abwehr gleichermaßen. Heute hat dieses bildliche Zähnezeigen offiziell natürlich längst ausgedient. Doch der innere Reflex hat sich über die Zeiten hinweg gerettet. Unbewusst wird auch heute noch nachts „der Feind“ abgewehrt – nur das er jetzt nicht mehr real im Schlafzimmer auftaucht, sondern sich als Stress bemerkbar macht.

Ungelebte, verletzte Tagesgefühle, Bewältigung alter Traumen, finanzielle oder familiäre Probleme, Mobbing, Wut auf den Partner oder Chef oder gar auf sich selbst, suchen sich in der Nacht diesen eigenständigen, unbewussten Weg. Besonders sensible nach innen gekehrte Menschen, die Ärger und Wut eher unterdrücken oder verdrängen statt auszuleben, aber auch perfektionistische, sich selbst aufopfernde, oder zu hohem Helferpotential neigende Menschen sind ebenso gefährdet, wie mit depressiver Neigung ausgestattete Charaktere. Ebenso Menschen, die Aggressionen meist ablehnen oder bei sich selbst niemals zu­geben würden, sind besonders press- und knirschgefährdet. Wer sich, scheinbar mangels Alternativen, in seine Probleme „verbeißt“ und sie in sich hineinfrisst, knirscht somit leider häufig im Gebälk. Denn autonom läuft über die vielen Erregungsleitungen vom Gehirn zum Mund nur der einzige Befehl: den Stress schnell abbauen. Und das heißt dann übersetzt eben „Kauen, beißen und Knirschen“!

Wenn nachts die Psyche zubeißt…

… sind Kauen und Knirschen natürlich keine echte Lösung! Spätestens wenn der Partner oder Zahnarzt auf das Problem aufmerksam macht – oder man die Kieferverhärtung selbst wahrnimmt, ist es an der Zeit sich über die Hintergründe Gedanken zu machen und nach wirkungsvollen Therapien Ausschau zu halten.

Eine vom Dentisten optimal angepasste „Knirscherschiene“ ist natürlich als Erste-Hilfe-Mittel zur Gebiss- und Zahnschonung für eine Weile durchaus zu empfehlen. Davon unabhängig bedarf es aber dringend echter Alternativen zur psychischen Beißarbeit der Nacht.

Bei ausgeprägter Symptomatik und zur Prävention vor Rückfällen ist eine therapeutische Beratung und Unterstützung für nachhaltige Gesundung auf jeden Fall zu empfehlen. Hierbei kann das weitere Vorgehen miteinander individuell und sinnvoll abgestimmt werden.

Hilfreiche Maßnahmen

Eine gerade bei der Kiefer-Symptomatik gute Möglichkeit der präventiven Lockerung ist die altbewährte und leicht erlernbare Progressive Muskelentspannung nach Jacobson. Hier­bei werden ganze Muskelgruppen des Körpers bewusst kurz stark angespannt, so dass sich diese anschließend wesentlich tiefer von alleine loslassen und entspannen können. Neben der Kieferlockerung führt eine regelmäßige Anwendung als Extrabonus noch oft zu tieferem, erholsamen Schlaf!

Hilfreich sind natürlich auch regelmäßige, lockernde Kiefermassagen, Meditationen mit Visualisierungen (z. B. darin das Gefühl verinnerlichen, der Kiefer wäre ganz weich und luftdurchlässig wie ein Schwamm oder Watte oder empfindlich wie ein rohes Ei).

Als Prävention oder auch begleitende Therapie haben sich zudem gezielte Atemübungen oder offenes Singen und Vokaltönen genauso bewährt, wie das immer beliebter werdende „Lachyoga“. Auch Trampolinspringen, Joggen, oder Mannschaftssportarten zum Stress- und Aggressionsabbau sind zu empfehlen.

Eine besonders nachhaltig wirksame und von vielen Patienten dankbar angenommene Hilfe kommt jedoch aus der körperorientierten Bioenergetik-Therapie nach Dr. Alexander Lowen. In der Bioenergetik gibt es viele wirksame Übungen zum Körpersegment „Kiefer-Mund-Nacken“, die man, besser uns sicherer als durch Bücher, von einem ausgebildeten Therapeuten gezeigt bekommt. Speziell in einer, nach genauer Anleitung leicht erlernbaren Übung, wird durch willentlich hervorgerufenem Zittern von Ober- u. Unterkiefer sowie bewusstem „Zähneklappern“ die aufgebaute innere Spannung bereits am Tage regelmäßig gezielt entladen, sodass der Kiefer nachts von alleine dauerhaft entspannt und locker bleibt.

Zu eben genannter „Zitterübung“ empfiehlt sich zusätzlich die überaus effektive Kombination mit Hypnosearbeit. Mit Hilfe von Hypnose ist innere Ursachenklärung und gezielte positive Beeinflussung leicht möglich. Hierbei gelangt man zudem direkt zum Kern des Problems, denn das Unbewusste im Innen ist ja letztendlich für das autonome nächtliche Pressen und Knirschen verantwortlich! Durch diese op­timale Verbindung von willentlich-körperlicher Lockerung und sanfter Arbeit mit dem Unbewussten ist oft in verblüffend kurzer Zeit eine deutlich spürbare Linderung der beschriebenen Symptome sowie eine nachhaltige Auflösung der unterschiedlichsten Knirsch-Hintergründe möglich.

Es gibt also durchaus zahlreiche Möglichkeiten, den psychischen inneren Druck anders und besser abzubauen als durch schmerzhaft-nächtliche Mahlarbeit – und dafür als belohnenden Ausgleich sich das eigene Gebiss und den Partner zu erhalten – sowie endlich wieder tief erholsamen Schlaf in der Nacht genießen zu können!

© 07/2008 Carlo G. Reßler

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